Shopping-Marathon

Mittwoch, 30. Juni 2010

Meine Arbeitskollegin Shirley ist im siebten Monat schwanger, weswegen sie im wohl populärsten buddhistischen Tempel Shanghais, dem Jing'an Tempel, für ihr ungebohrenes Kind beten gehen wollte. Sie fragte mich, ob ich sie begleiten wolle und so saßen wir letzten Samstag gegen halb Elf in der Metro Richtung Innenstadt. Am Ziel angekommen, purzelten wir aus der Metro raus und direkt eine Etage höher in den Tempel rein - wie praktisch! Das besondere an dieser Tempelanlage ist ihre Lage - mitten in Downtown Shanghai ist der Tempel regelrecht von Hochhäusern umzingelt. Der Kontrast ist atemberaubend und auch ein bisschen symptomatisch für Shanghai. Das Alte muss seine Position behaupten, um nicht von der rasant wachsenden Moderne des 21. Jahrhunderts verschluckt zu werden.

Während Shirley betete, schaute ich mich auf dem Tempelgelände um. Wie so oft in Shanghai herrschte ein emsiges Treiben und Wuseln. Mönche flitzten mit ihren Smartphones über die Tempelanlage, überall wurde andächtig mit Räucherstäbchen durch die Luft gewedelt, Geld klirrend in irgendwelche Boxen oder Gefäße geworfen und sich angeregt mitreinander unterhalten. Dabei fiel mir auf, dass sehr viele Junge Leute hier waren. Später erklärte mir Shirley, dass aufgrund der rasanten Veränderungen der letzten Jahre insbesondere die jüngere Generation zunehmend mit wachsenden privaten Belastungen und beruflichen Anforderungen zu kämpfen hätte. Um die Probleme zumindest in unserem Alltag klein zu halten, versuchten Shirley und ich eine Münze in die Öffnung eines Schreins zu werfen. Das soll Glük bringen. Wir haben beide getroffen :)




Nach dem obligatorischen Besuch der Tempelanlage, einer leiblichen Stärkung und dem Besuch einer Expo Veranstaltung, ging es, zumindest für Shirley, zum angenehmen Teil des Nachmittags über - zum Shoppen. Ich dachte bei mir, kann ja nicht so lange dauern, da sie immerhin schon im siebten Monat schwanger ist. Weit gefehlt! Bei den ersten zehn Geschäften konnte ich noch gut mithalten, alles was danach kam, stand nur noch unter dem Motto "Zähne zusammenbeißen und durch"! Während Shirley in Shop Nummer XY angeregt nach einem Kleid suchte, wurde mir vom Verkäufer ein kleiner Hocker in einer Ecke angeboten. Er konnte mir wahrscheinlich alles von meinem Gesicht und meiner Körperhaltung ablesen. Ich setzte mich dankbar hin und wartete.

Während ich in dem 10qm Shop so da saß, strömten immer mehr Leute in den Laden. Irgendwann fragte ich mich, wieviele es wohl mittlerweile waren - ich kam auf 15. Ähnlich wie das Phänomen Fahrstuhl: Wenn ich denke es passt keiner mehr rein, finden noch drei weitere Leute Platz. Gott sei Dank war auch irgendwann Shirley ershöpft und hungrig, so dass wir zum Abendessen zu ihr fuhren.